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Auf den Spuren der Kalevala...
Von einer Radreise durch Skandinaviens wilden Osten

Die Sehnsucht nach Wildnis und Einsamkeit war es, die mich während einer zwölfwöchigen Ostsee-Umradelung im Sommer 2001 immerzu die abgelegensten Regionen anpeilen ließ. Ich fand Gefallen daran, mich im Banne des immerwährenden Lichtes wochenlang durch endlose Waldgebiete zu kämpfen. Vor allem der karelische Osten von Finnland strahlte auf mich etwas aus, das mich nicht mehr loslassen wollte. Und als ich beim Durchqueren der finnischen Grenzwälder das erste Mal auf Russland blickte, wusste ich genau, wohin mich der nächste Sommer führen würde: nach Ostkarelien, dem Finnland auf russischer Seite...

So kam es, dass ich Ende Juli 2002 mit rund 70 kg unter dem Hintern abermals für mehrere Wochen gen Norden aufbrach - zunächst mit der Bahn nach Rostock, um dann mit dem Fährschiff nach Helsinki überzusetzen. Bei glasklarem Himmel und schweißtreibenden Temperaturen von bis zu 30°C hielt ich Direktkurs auf die Karelische Landenge, die den Finnischen Meerbusen vom Ladogasee trennt. Die Grenzüberquerung nach Russland, die bekanntlich sehr penible Formalitäten voraussetzt, verlief völlig unproblematisch. Niemand wollte Einladung, Krankenversicherung oder Marschroute sehen, nicht einmal der Inhalt meiner Fahrradtaschen schien ein Blick wert. All meine Bedenken hinsichtlich der Anerkennung meines Geschäftsreisenden-Status erschienen plötzlich vollkommen unbegründet.
Hinter der Grenze spürte ich sofort die Gegenwart einer fremden Nation, denn überall am vermüllten Straßenrand saßen Leute, die ihre gesammelten Beeren und Pilze zu verkaufen versuchten. Vyborg, eine von den Schweden im Jahre 1293 errichtete Grenzfeste, wirkte bereits so "russisch", dass ich schon ein wenig erschrak: Alles war schmutzig und in einem hässlichen Grau. Viele Stadtbereiche hatten etwas kasernenhaftes, zumal an jeder Ecke Militär präsent war. Sogar eine Polizeistation mit Schranke befand sich an der Stadteinfahrt - wohlgemerkt auf einer Europastraße! Und dann überall dieser markante Geruch von verbleitem Benzin...

Ladoga- und Onegasee

Nach Vyborg begab ich mich auf den wohl einsamsten Landstraßen der Karelischen Landenge zum größten See Europas - dem Ladogasee. Dichter und gestrüppiger Urwald, nur selten forstwirtschaftlich genutzt, erschwerte so manches Mal die Suche nach einem gedeckten Übernachtungsplatz. Vor allem in den ersten Tagen war ich sehr darauf bedacht, weder gesehen noch gefunden zu werden. Doch die tagtäglichen Begegnungen mit dem Landvolk gaben mir irgendwann das Gefühl, einen wohlgesonnenen Menschenschlag um mich zu haben. Am Westufer des Ladogasees lud man mich sogar zu Kaffee und selbst gebackenen Teigtaschen ein - nur weil ich einem Anwohner aus Sympathie einen kleinen Kräuterschnaps in die Hand drückte. Als man mir auch noch zwei selbst gefangene Räucherfische in Zeitungspapier einwickelte, dachte ich nur: "Was hab ich bloß angerichtet..."
Den Ladogasee umfuhr ich südlich und hielt weiter Kurs Ost bis zum Onegasee, dem zweitgrößten See Europas. Hier gab es nur noch eine zielgerichtete Hauptstraße, auf der ein dermaßen übler Verkehr herrschte, dass ich immer wieder wegen verrückter Überholmanöver in den Dreck am Seitenstreifen ausweichen musste. Ein Ziegelsteinlaster verlor einmal direkt vor meiner Nase Ladung, die noch über zig Kilometer hinweg den rechten Fahrstreifen verzierte. Dann winkten mich ein paar aufdringliche Jugoslawen von der Straße, die mir im BMW sitzend weismachen wollten, dass sie dringend Geld bräuchten und mir daher "echte" Goldringe zu verkaufen versuchten. Mit einem "Ich versteh nüscht" war die Bande jedoch nicht abzuwimmeln, da die Herren doch tatsächlich deutsch verstanden...
Nach einer Woche auf russischen Boden erreichte ich schließlich die Südspitze des Onegasees und mit ihr den Kurswechsel nach Norden, wo es fortan etwas ruhiger zugehen sollte. Zum ersten Mal sah ich in urigen Dörfern die für Russland typischen Zwiebelturmkirchen - vollkommen hölzern und scheinbar ohne Nägel errichtet. Doch nach wenigen Kilometern entlang des Westufers ging es nicht mehr weiter, denn der Zahnkranz trennte sich vom nagelneuen Hinterrad einfach ab... Die nächstgelegenste Stadt war glücklicherweise auch mein planmäßiger Anlaufpunkt: Petrozavodsk - die einzige Großstadt der Republik Karelien. Hier würde es sich entscheiden, ob Weiterfahrt per Rad oder Heimfahrt per Bahn. Allerdings waren es bis dahin noch glatte 100 km, für die ich schiebenderweise wohl 3 Tage gebraucht hätte, wenn nicht bereits nach 7 km ein mir wohlgesonnener Kleintransporter gehalten hätte.
In meinen sprachunkundigen Ohren hieß es nur: "Blablabla Petrozavodsk?" - ich sofort: "Da!" Und ehe ich einen klaren Gedanken fassen konnte, wie es denn nun weitergeht, befand sich mein Bock bereits ordentlich verzurrt auf der Ladefläche. Da der Abend nahte, suchte ich während der Fahrt im Wörterbuch nach Begriffen wie "Zimmer" und "Übernachtung", aber mein Fahrer, Aleksej, winkte jedes mal nur ab und redete irgendwas von "Drug". In Petrozavodsk angelangt kurvte mich der Kerl allerdings noch stundenlang durch zwielichtige Stadtviertel und so wurde ich allmählich ungeduldig und schlug das ominöse Wort nach, welches ich erst jetzt richtig verstanden hatte: es war "Freund". Aha, der Mann suchte anscheinend seinen Kumpel und siehe da, als er ihn, Sergej, gegen 23 Uhr endlich gefunden hatte, wechselte mein Rad auf einmal in einen anderen Kleintransporter und verschwand... Auf den nächsten Parkplatz, wie ich erleichtert zur Kenntnis nahm, denn dieser sah aus, wie eine kleine Kaserne: mit Stacheldraht und Wachturm - das wohl sicherste Nachtlager für mein Rad. Aleksej verabschiedete sich daraufhin und so trabte ich gezwungenermaßen hinter Sergej und seiner Frau her, die mich in ihrem Plattenbauheim aufnahmen, als wäre ich ein alter Bekannter. Dort bekam ich ordentlich zu essen, trank mit Sergej etwas Bier und mit seiner Frau ein paar Vodka, bis ich schließlich müde auf ein Sofa inmitten zu verkaufender Computer fiel. Am nächsten Morgen setzte man sich sofort daran, mir alles Mögliche zu organisieren, damit ich alsbald meine Tour fortsetzen könne. Nach zahllosen Telefonaten fuhr mich mein Gastgeber zu den zwei Petrozavodsker Fahrradläden, die ich allein wohl nie gefunden hätte, half mir beim Einbauen des neu erworbenen Hinterrades, fuhr mich nochmal zurück, tischte mir Mittagessen auf, packte mir einen Batzen Kassler und selbst gefangenen Onega-Fisch für unterwegs ein und führte mich zu guter Letzt auch noch aus der Stadt heraus! Ich war sprachlos...
So setzte ich sogar mit einem Tag Zeitgewinn meine Reise durchs nördliche Onega-Gebiet fort - entlang der früheren Wegeverbindung nach Murmansk. Doch es stellte sich heraus, dass der alte Weg aufgrund der neu angelegten parallel verlaufenden Haupttrasse M18 kaum noch benutzt wurde und in einem üblen Zustand war. Ganze 50 km würgte ich meinen Karren über eine steinerne Naturpiste, die kurz vor dem Ort Kjappesel'ga bereits so zugewachsen war, dass ich zwischenzeitlich befürchtete, hinter dem nächsten Buckel würde sich der Weg als Trampelpfad im Wald verlieren... Als ich da endlich durch war, bin ich sofort zurück auf die M18, die ich mangels Alternativen erst wieder auf der Halbinsel Kola verlassen sollte. Auf 600 km führte mich die meist schnurgerade Asphaltstrecke eine Woche lang durch endlos versumpfte Taiga. Dörfer oder gar Städte gab es auf dieser Durststrecke keine mehr, zumindest nicht direkt an der M18. Der Verkehr hielt sich zum Glück an die Dichte einer bei uns wenig befahrenen Bundesstraße, denn bei Begegnung zweier Lkw's gab es für mich nur noch den sandigen Seitenstreifen. Einige Male musste ich sogar den linken nehmen, als ein Lkw einen riesigen Traktorreifen hinter sich her zerrte und dabei wiederholt den rechten Staßenrand zu einer dichten Staubwolke aufpflügte...

Halbinsel Kola

Nachdem ich bei Kandalakscha schließlich die nordwestlichste Spitze des Weißen Meeres passierte, ging es zunächst gewaltig in die Berge der Kola-Halbinsel. Nach Konrad Hansens Wikinger-Saga "Die Männer vom Meer" wurde dieses Land einst als Halbinsel Ter, Heimat der Terfinnen bezeichnet. Ich staunte daher nicht schlecht, als ich diese alte Bezeichnung auf diversen Schildern wiederfand, denn das Gebiet zur Südküste nennt sich heute "Terskij Rajon" - "Bezirk Ter"!
Auf unerwartet gutem Asphalt fuhr ich hier bis zum Küstenort Umba, wo ich von neugierigen Knirpsen umringt meine Vorräte aufstockte, denn die nun folgende Fahrt ins Landesinnere wollte ich keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen... Mit gutem Grund, wie ich bald darauf feststellen musste, denn mein Weg nach Revda entpuppte sich als 240 km lange Wildnispiste, die mich schnell an die Grenzen des Machbaren führte. Sechs Tage lang orientierte ich mich an der Dichte der Fahrspuren und unterschied so den Hauptweg von so manchen verwirrenden Nebenwegen, denn letztere waren nicht selten in einem besseren Zustand. Immer wieder führte mein Pfad durch versumpfte Abschnitte mit tiefen pampigen Fahrspuren, über halb zerfallene Holzbrücken, wo man auf einzelnen Bohlen hinüber balancieren musste oder durch Furten, wenn die entsprechenden Brücken gänzlich unpassierbar oder nicht mehr existent waren. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Entlang der Bahngleise am Ostufer des Umbsees schlängelte sich mein Weg am Fuße eines tausend Meter hohen Bergmassivs entlang, wo reißende Gebirgsbäche grundsätzlich über die Piste spülten, dazu knietiefe Wasserlöcher, Schlamm, Sumpf, Gestrüpp, Felsen und Geröll... Bei soviel Dreck gab es einen Wahnsinns-Verschleiß! Unentwegt schmirgelten die Bremsen an den Felgen und die Kette an den Kränzen. Irgendwann riss der hintere Reifen auf und ein beulender Schlauch grinste mich an. Ich versuchte den Riss zu nähen, aber bereits zwei Stunden später war der Neukauf aus Petrozavodsk absolut schrottreif. Der Ersatzreifen, den ich die ganze Zeit mit mir rumschleppte, hielt ebenfalls nicht lange. Auch diesen musste ich einen Tag später nähen, zog ihn aus Belastungsgränden aufs Vorderrad und fuhr so noch ganze 400 km, ehe ich Gelegenheit fand, diesen gegen einen neu gekauften zu wechseln.
Trotz dieser Zustände war es der wohl herrlichste Weg, der mir bis dahin unter die Räder geraten war, vor allem deshalb, weil er sich so verwinkelt und abwechslungsreich zeigte. Außerdem hatte ich Glück, dass mich durchweg fantastisches Spätsommerwetter begleitete - bei Regen wäre ich bestimmt irgendwann stecken geblieben. Erst als ich den Ort Revda erreicht hatte, kam der Herbst und mit ihm auch unangenehmes Regenwetter. Und da ich unbedingt einen neuen Reifen brauchte, entschied ich mich nur 100 km vor meinem ursprünglich geplanten Wendepunkt Murmansk wieder nach Süden abzubiegen. In Montschegorsk, der nächsten und einzigen größeren Stadt meiner Rücktour, hoffte ich einen Fahrradladen zu finden. Das gelang mir auch, als ich einen sportlich dahinradelnden Anwohner um Rat fragte. Doch dieser führte mich nicht nur zum Geschäft, sondern zerrte mich nach erfolgreichem Reifenerwerb auch noch mit zu sich nach Haus... Dort blieb ich dann fast drei Tage und erhielt einen hautnahen Einblick in das russische Alltagsleben. Und weil mein Gastgeber einen PC mit russisch-englischem Übersetzungsprogramm besaß, konnte ich erstmals komplexere Informationen austauschen.

Sackgasse Zaretschensk

Da es zwischen dem Kola-Lappland und Karelien nur eine Verbindungsstraße gibt, steuerte ich wieder bekannten Gefielden entgegen. Bis Louchi erwartete mich auf 150 km die selbe Straße, die ich bereits hinzu geradelt bin: die M18. Nun neige ich aber dazu, nie ein und die selbe Strecke zweimal zu fahren, wenn es noch andere Möglichkeiten gibt, und entschied mich entgegen jeder Vernunft für eine Alternative über Zaretschensk und Zascheek. Eine reibungslose Durchfahrt auf dieser Strecke galt nämlich von Anfang an als fragwürdig, da es an einer Seeenge vor Zascheek weder Brücke noch Fähre gibt. Ein paar Petersburger Kartografen, mit denen ich am nordwestlichsten Zipfel des Weißen Meeres einen Übernachtungsplatz teilte, erklärten mir obendrein, dass man dort wohl nicht rüberkommt und Zascheek unbewohnt sei. Doch mein Sturkopf ließ sich nicht abbringen und so fuhr ich da runter, in der Hoffnung, dass mich irgendjemand schon rüberschippern würde. Und wenn nicht, dachte ich mir, baue ich mir eben ein Floß... Aber soweit sollte es nicht kommen, denn eine der undurchsichtigsten Geschichten, die ich je erlebt hatte, brachte mich dazu, die ganzen 140 km wieder zurückzufahren, um letzten Endes wie gehabt die M18 bis Louchi runterzuradeln.
Alles begann, als ich in Zaretschensk ins Augenmerk einer halb betrunkenen Horde fiel, die mich sofort in ihr feuchtfröhliches Mittagszeremoniell involvierte. Nachdem auf alles und jeden ein Gläschen getrunken wurde, verlagerte sich die Zeche bald in das Haus der Vodkaspender und bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich schon wieder auf unbestimmte Zeit eingeladen. Aber ich wollte unbedingt weiter und nutzte sogleich am Folgetag die Gelegenheit, mich von meiner abgedrehten Gastfamilie loszureißen. Ich war bereits 40 km hinter dem Ort im Wald verschwunden und baute an einem See mein Nachtlager auf, als mich meine Gastgeber plötzlich mit zwei Polizisten aufspürten und unrechtmäßig des Diebstahls beschuldigten. Man behauptete steif und fest, ich hätte dem Hausherren im Schlaf sein goldenes christliches Kreuz entwendet - 2000 Rubel (72 Euro) wollte er nun dafür! Da ich mich aber nicht für dumm verkaufen ließ, trabten die Schuldsprecher irgendwann genervt ab und sollten mir aus schleierhaften Gründen kein zweites Mal mehr begegnen. Auch die Waldpolizisten winkten nur gelassen ab und notierten lediglich meine Passdaten. Ich war ein wenig verunsichert, hielt aber am nächsten Tag weiter auf Zascheek zu. Doch schon weit vor dem Ort endete der Weg an einem Staudamm, auf welchem stand: "Verbotene Zone". Der Wärter war natürlich ein Bekannter der angeblich Bestohlenen und laberte irgendwas von "Passierschein", welchen man angeblich nur in Zaretschensk bekommt. Da kam ich aber gerade her... Also blieb nur noch der dort ansässige Bootsmann, ein alter Finne, der mich nach einigem Hin und Her über den hier noch 7 km breiten See rudern wollte, sobald der Wind nachlasse. Doch das könnte schon ein paar Tage dauern, meinte er - ausgerechnet hier auf diesem abgekarteten Spielfeld, wo es keinerlei Fluchtmöglichkeiten gab... Das war mir dann doch zu heikel, da ich ja nicht wusste, ob sich das Missverständnis mit dem Diebstahl aufklären würde, wenn es denn überhaupt eines war. Also entschied ich mich zur endgültigen Umkehr...

Kalevala

Von Louchi aus tauchte ich auf einsamen Schotterwegen immer tiefer in das herbstliche Herz Kareliens ein. Pausenlos holperte mein Rad über steinige Schlaglochrippen, so dass ich zeitweise wie hypnotisiert in Gedanken versank. Und dann lag es auf einmal vor mir, das Ziel der Ziele: Kalevala. Dabei hat dieses Städtchen, welches in den Fünfzigern noch Uchta hieß, an sich nichts Besonderes - es ist nur der Name, der mich glauben ließ, hier eine finnische Kulturstätte von besonderer Bedeutung vorzufinden. Denn der Begriff Kalevala steht für den finnischen Nationalepos, für die von Runensängern überlieferten Volkslegenden der Karelier. Auch wenn ich nichts dergleichen finden konnte, was damit in Verbindung zu bringen wäre, so war ich erstaunt, wieviel Selbstbewusstsein die gebliebenen Finnen an den Tag legten. Kaufläden waren mitunter als "Kauppa" und Cafés als "Kahvila" ausgeschildert. Und auf dem Postamt wurde sogar finnisch gesprochen, sofern sich zwei Finnen gegenüberstanden.
In den Dörfern zur Grenze hin lebten wohl nur noch Finnen, denn hier stellte man neben den russischen auch finnische Ortseingangsschilder auf, etwas weiter waren es sogar nur noch finnische... War ich überhaupt noch in Russland? Die herbstlichen Grenzwälder strahlten jedenfalls einen Zauber aus, als befände ich mich am Ende der Welt. Eine schmale Dreckstraße schlängelte sich durch einsamen und unglaublich düsteren Urwald, so dass man glauben mochte, jeden Moment am Haus der alten Babajaga zu landen...
Und irgendwie sollte dies auch mein letzter Eindruck von Russisch Karelien bleiben, denn hinter Kostomukscha überquerte ich schließlich die Grenze zum Staate Finnland und rollte von unwirtlichem Herbstwetter gejagt auf direktem Wege dem Fährhafen in Hanko entgegen. Tagestemperaturen von gerade mal 5-10°C in Kombination mit zumeist stürmischen Winden ließen mich zwei Wochen lang nur der Wärme wegen trampeln. Ich bin dem Winter quasi davongefahren, denn nur zwei Tagestouren hinter mir gab es bereits den ersten Schnee - und das Mitte September! Finnland selbst langweilte mich ein wenig - überall Wohlstandsgegend und tadelloser Asphalt. Ich musste feststellen: Russland fehlte mir - mit seiner rauen Natur, der einfachen Lebensart und den aufgeschlossenen Menschen.

Richard Löwenherz      

Dieser Bericht erschien in leicht gekürzter Form in der "RadZeit" 2/2003
(zweimonatliche Zeitschrift für Alltags- und Freizeitradfahrer des ADFC Berlin)


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